Aus heiterem Himmel - Epilepsie und epileptischer Anfall

Ein Gastartikel von mir im Tierheim Magazin Gelsenkirche

Krampfanfälle, sie kommen aus heiterem Himmel und von einer Sekunde auf die andere. Die Katze kippt um, verliert ihr Bewusstsein, ihr Körper versteift sich und sie beginnt rhythmisch zu zucken. Für Katzenhalter ein furchtbares Erlebnis mit vielen offenen Fragen.

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Der Begriff "Epilepsie" stammt vom griechischen Wort "epilambanein" ab, was soviel wie ""Überraschtsein", oder "Ergriffensein" bedeutet. Es ist der Oberbegriff für eine Kombination von verschiedenen Krankheitszeichen und Krankheiten, die aufgrund von Schäden des Gehirns, Erkrankungen oder anlagebedingt zu elektrischer Entladung in verschiedenen Gehirnarealen führen. Kurz gesagt, die Krampfanfälle entstehen durch übermäßige Erregung von Nervenzellen im Gehirn.

Von Epilepsie wird dann gesprochen, wenn bei einer Katze immer wieder epileptische Anfälle auftreten. Ein epileptischer Anfall ist sozusagen eine Reaktion des Gehirns auf einen schädigenden, störenden oder irritierenden Reiz. Diese genannte Reiz-Antwort geht dabei mit elektrochemischen Erregungsvorgängen der Nervenzellen im Gehirn einher. Dabei besteht das Wesentliche dieses Ablaufs darin, dass unmittelbar eine große Zahl von Nervenzellen gleichzeitig erregt werden und sich dann abrupt entladen. Ein epileptischer Anfall kann durchaus ein einmaliges Ereignis bleiben z.B. als Folge einer Vergiftung oder Unterzuckerung. In diesen Fällen ist der Anfall an eine bestimmte Situation gebunden und man spricht hier auch von sogenannten Gelegenheitsanfällen. Erst wenn epileptische Anfälle immer wieder und ohne unmittelbaren Auslöser auftreten, muss die Diagnose "Epilepsie" gestellt werden.

Welche Formen und Ursachen hat die Epilepsie?

Da Krampfanfälle durch verschiedene Ursachen verursacht werden können, unterscheidet man zwischen symptomatischer und idiopathischer Epilepsie.

Die symptomatische, welche auch als strukturelle Epilepsie bekannt ist, beruht auf Schädigungen des Gehirns. Diese Form ist dadurch gekennzeichnet, dass die Anfälle ein Ausdruck einer anderen Erkrankung sind. Hier zu zählen Gehirnschäden infolge von Entzündungen, Verletzungen oder Tumoren sowie Stoffwechselstörungen. Aber auch Vitaminmangel, Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes, Urämie oder Ohrräude sind nur einige Auslöser unter vielen.

Die idiopathische auch als genetische Epilepsie bezeichnet, hat eine erbliche Komponente und treten ohne fassbare Ursache auf. Hier ist keine krankhafte Veränderungen im Gehirn als Ursache festzustellen. Meist tritt sie im Alter zwischen 6 Monaten und 3 Jahren auf - ausnahmsweise können genetische Epilepsien auch im höheren Alter beginnen.

Anfallsformen - welche gibt es und was unterscheidet diese?

Für den Katzenhalter und Tierarzt ist es von großer Bedeutung zu wissen, um welche Anfallsform es sich handelt. Hierbei unterscheidet man nach dem Erscheinungsbild der Anfälle, wobei man zwei Gruppen von Anfallsformen differenziert:

- Generalisierte Anfälle, hier ist das Gehirn am Anfallsgeschehen beteiligt, dass bedeutet die beiden Hirnhemisphären sind betroffen.

- Fokale / partielle Anfälle, hier sind es nur ein bzw. mehrere Teile des Gehirns.

Generalisierte tonische-klonische Anfälle auch als Grand Mal-Anfall bezeichnet, entsteht durch sehr hohe Intensität epileptischer Entladung. Dieser verläuft in mehreren Phasen, die auch teils wegfallen können. Bei manchen Katzen tritt vor dem Anfall die sogenannte Aura ein, eine Zeit in der sich die Katze anderes verhält, gekennzeichnet durch Unruhe oder Angst. Wenn die tonische Phase eintritt, versteifen sich gleichzeitig sämtliche Muskeln und die Katze wird bewusstlos. Es kann aber auch zu einer atonischen Phase kommen, wo anstatt der Erhöhung der Muskelspannung es zu einem Tonusverlust kommen kann, d. h. die Katze wird bewusstlos, schlaff und atmet nicht. In der klonischen Phase, kommt es zu heftigen rhythmischen Zuckungen an allen Gliedmaßen und die komplette Skelettmuskulatur ist angespannt mit einer totalen Überstreckung. In dieser Phase kann es auch zum zeitweisen Atemstillstand durch Verkrampfung der Atemmuskulatur kommen. Hier treten Bewusstseinsstörungen oder ganzer Bewusstseinsverlust auf, das beutetet, die Katze bekommt nichts mehr von ihrer Umwelt mit. In diesem Stadium zeigt die Katze Zuckungen oder Anspannungen des Kiefers und der Gliedmaßen aber auch ungesteuerter Harn- und Kotabsatz sowie Speichel, sind möglich. Der Anfall kann zwischen einigen Sekunden bis Minuten dauern. Wenn die Erholungsphase eintritt, erholen sie manche Katzen sehr schnell, andere wiederum brauchen lange bis sie wieder voll da sind. Diese Phase kann durch vermehrte Unruhe, Heißhungerattacken, Ruhelosigkeit, Desorientiertheit bis hin zu einer kurzfristigen Blindheit gekennzeichnet sein.

Die sogenannten kleinen Anfälle auch "petit mal Anfälle" sind eine andere Form von Epilepsie. Diese sind häufig gegenüber dem Grand Mal-Anfall weniger auffällig und dauern in der Regel nur einige Sekunden. Bei den partiell einfachen Anfällen, wird eine bestimmte Region im Gehirn in ihrer eigentlichen Funktion gestört. Das beutetet, dass nur ein Körperteil von den Krämpfen betroffen ist. Weiterhin gibt es die partiell komplexen Anfälle wobei Stellen, die das Bewusstsein beeinflussen im Gehirn in ihrer eigentlichen Funktion gestört sind. Das Bewusstsein der Katze ist somit eingeschränkt und es kommt zu Verhaltensstörungen. Diese Form der Anfälle beginnen und enden langsam - es dauert einige Zeit, bis die Katze wieder ansprechbar ist.

Unter Cluster Anfällen versteht und bezeichnet man eine Folge von Anfällen innerhalb eines Tages. Hier , im Gegensatz zum status epilepticus wird ein Anfall erst beendet bevor die Katze in einen neue Anfall fällt. Beim status epilepticus kommt es zu starken Gehirnschädigungen von denen sich die Katze häufig nicht wieder erholt. Hier besteht immer ein lebensbedrohlicher Notfall! Es handelt es sich um einen sehr lange andauernden epileptischen Anfall oder auch eine Serie von Anfällen, wo bei die Katze es alleine nicht mehr schafft aus den Anfällen heraus zu kommen. Hier muss das Tier umgehend tierärztlich versorgt werden.

Was löst die Anfälle aus?

Die Ursachenforschung ist aufwendig, aber die Grundlage für jede Therapie. Das bedeutet, man muss alle Erkrankungen erst ausschließen, die diese Anfälle auslösen könnten. Erst dann kann man annehmen, dass es sich um Epilepsie handelt. Die Gründe und Ursachen für epileptische Anfälle sind so vielfältig wie ihr Erscheinungsbild selbst. Zum Beispiel können Anfälle durch Ursachen im Gehirn, wie Tumore oder Verletzungen durch Unfälle, Sauerstoffmangelversorgung und unterschiedlichste Infektionen entstehen. Die Ursachen außerhalb des Gehirns, können unter anderem eine Vergiftung oder Mineralstoffmangel sein, aber auch Stoffwechselschwankungen, Leber- oder Schilddrüsenerkrankung sowie Parasiten können epileptische Anfälle auslösen.

Ohrräude und epileptische Anfälle

Die Ohrräude wird oft nicht als eine ernstzunehmende Erkrankung angesehen. Häufig, also sehr oft wird der Milbenbefall als harmlose Infektion abgetan. Es wird aber nicht erkannt, dass die durch die Milbeninfektion hervorgerufene Entzündung des äußeren Gehörganges der Ausgang für eine hochgradige bakterielle Sekundärinfektionen sein kann. Die Bakterien können sich den Weg über das Mittel- und Innenohr bis in das Gehirn hoch arbeiten und dort eine lebensbedrohliche Erkrankungen auslösen. Wenn epileptische Krampfanfälle oder Zentralnervösen Störungen auftreten, könnte eine mögliche Ursache die Folgen eines Abszesses sein, der Druck auf das Gehirn verursacht. So ein Abszess kann die Folge von Schmutzkeimen (Milben) sein, die durch den äußeren Gehörgang über das Mittel- und Innenohr aufsteigen und eine bakterielle Infektion auslösen. Die Kontrolle der Katzenohren sollten immer zum täglichem Programm gehören.

Erfolgreiche Therapie

Für eine erfolgreiche Therapie ist der Zeitpunkt des Krankheitsbeginns sehr wichtig und dass dieser auch erkannt wird. Wird der Zeitpunkt früh erkannt, ist es möglich auch bei häufigen und schweren Anfällen rasch die richtige Therapie einleiten zu können. Um eine lange Anfallsfreiheit zu erreichen, ist es wichtig die Psyche, Umgebung und die Ernährung in die Therapie einfließen zu lassen.